Chronik

Die Chronik – wie alles begann
von Wolfhard Wagener zum 50. Jubiläum des Vereins im Jahre 2019

Am 24.11.1969 versammelten sich 35 Bürger des Raumes Hollenstedt (eine Samtgemeinde existierte noch nicht) um einen Verein zu gründen, der sowohl bei Außenstehenden wie auch bei den Einwohnern ein allgemeines Interesse an unserer Gegend fördern sollte. Einen Anstoß dürften auch die 1968 begonnenen archäologischen Untersuchungen der Alten Burg gegeben haben, damals noch mit der fälschlichen Bezeichnung „Karlsburg“ tituliert. Aufmerksame Einwohner hatten auf dieses historische Objekt hingewiesen, als der Grundbesitzer das Gelände für Fischteiche verwerten wollte. In diesem Zusammenhang erschien auch die Tatsache bedeutsam, dass die Hollenstedter Kirche schon in fränkischer Zeit ein wichtiges religiöses Zentrum darstellte, denn durch den Besuch Karls des Großen im Jahre 804 wurde Hollenstedt aus der Unbedeutendheit einer ländlichen Siedlung heraus gehoben. Auch dies war ein Anstoß, die Region für den Fremdenverkehr zu erschließen.

Einberufen hatte die Versammlung der Hollenstedter Pastor Lemberg, der auch eine Satzung vorschlug, die sich an der vergleichbarer Vereine orientierte. Aufgaben des Vereins sollten u.a. sein: die Hebung der Attraktivität der Region für den Fremdenverkehr, Erhaltung von örtlichen Traditionen und Vermittlung von Kenntnissen über unsere Region. Unter den Versammlungsteilnehmern waren Heimatverbundene, Kommunalpolitiker, Gastronomen, Naturfreunde, Traditionspfleger, Historiker und andere Bildungsbeflissene. Verständlich, dass die Schwerpunkte für die zu verfolgenden Vereinsziele nicht sofort im Einzelnen festgelegt werden konnten, sondern an einen Ausschuss zur Erarbeitung weitergereicht wurden. Einig war man sich aber darin, dass Wanderwege eingerichtet und ausgeschildert werden sollten, ausgestattet mit Bänken und mit Hinweistafeln auf Naturobjekte.

Von den an der Gründungsversammlung Teilnehmenden traten dem Verein spontan 28 Personen bei. Aufgerufen zur Teilnahme an der Vereinsarbeit wurden besonders die Gemeinden mit der Bitte, sich nicht nur als Korporation anzuschließen, sondern die Vereinsziele auch nach Kräften und Mitteln zu unterstützen. Teilweise ist das gelungen. So konnten auch Gelder des Hamburg-Niedersachsen-Fonds über die Gemeinden eingeworben werden für vom Verein initiierte Aktivitäten. Zum 1. Vorsitzenden wurde der bekannte Heimatforscher Artur Conrad Förste gewählt. Unter dem Titel „Fremdenverkehrsverein Estetal“ wurde der Verein mit Sitz in Moisburg am 14.5.1970 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Buxtehude eingetragen. Mit der neuen Satzung von 1982 wurde der Name des Vereins geändert und lautet jetzt Heimat- und Verkehrsverein Estetal e.V. mit Sitz in der Samtgemeinde Hollenstedt – jetzt eingetragen im Vereinsregister des Amtsgericht Tostedt.

In der nun 50jährigen Geschichte des Vereins hatte es nur wenige Wechsel im Vorstand gegeben. Auf den Gründungsvorsitzenden Artur Conrad Förste folgte 1974 im Vorsitz Herbert Woltmann, der erste Samtgemeindedirektor Hollenstedts nach der Gebietsreform von 1974. Durch seine Verbindungen zum Landkreis und zu den Gliedgemeinden konnte er erfolgreich seine Aufgaben zugunsten der Verwirklichung der Vereinsziele wahrnehmen. Nach vierzehnjähriger Vorstandsarbeit trat er 1988 zurück, blieb dem Verein aber bis heute eng verbunden. Zu seinem Nachfolger wurde Uwe Bauch gewählt, der aber bereits nach einem Jahr seinen Wohnsitz in ein fernes Land verlegte und daher sein Amt aufgeben musste. Auf einer Vorstandssitzung am 10.5.1989 wurde Ludwig Hauschild kommissarisch zum ersten Vorsitzenden berufen und am 14.3.1990 in der Jahreshauptversammlung durch Mitgliederwahl im Amt bestätigt. „Lutz“ Hauschild führt den Verein also bereits seit 30 Jahren erfolgreich und mit viel Initiative, nicht weil er „am Sitz klebt“, sondern weil er sich permanent neue Verdienste durch seine vielfältigen Aktivitäten und Anregungen erwirbt, mit denen er ständig viele Mitglieder zu tätigem Einsatz für die Ziele des Vereins motiviert.

Eine Ära geht zu Ende
von Anette Meyer (2. Vorsitzende) zum erneuten Vorstandswechsel im August 2021

Danke, Lutz, für 31 Jahre, 5 Monate und 3 Tage unermüdlichen Einsatz als 1. Vorsitzender für den Heimat- und Verkehrsverein Estetal, in denen Du diesen Verein geprägt hast. Deiner Liebe zur Natur und dem Bedürfnis, diese den Menschen die darin unterwegs sind, nahezubringen, verdanken wir die Entwicklung des Estetals zwischen Bötersheim und Moisburg zu einer Region für Wanderer und Naturliebhaber, die weit bis über die Grenzen der Samtgemeinde Hollenstedt hinweggeht. Wer in dieser Region wandert, kommt an den vielen Spuren, die Du hinterlassen hast, nicht vorbei. Danke für Deine vielen Ideen und die Offenheit, Vorschläge anzunehmen, wodurch großartige Projekte verwirklicht (und auch über die Jahre hin gepflegt) wurden, wie z.B. der Waldlehrpfad im Hollenstedter Schützenwald, die Obstbaum-Patenschafts-Alleen und natürlich die Gestaltung der Alten Burg mit dem wunderschönen Mittelalterlichen Garten. Danke auch für die Begeisterung, mit der Du Ideen angenommen hast und wenn der Satz „Klar, das machen wir!“ von Dir gefallen war, war dem Ideengeber Deine Unterstützung sicher. So entstanden z.B. die „Plattdeutschen Abende“, die sehr gut besucht werden und unser Vereinsmagazin „DER ESTETALER“, das sich großer Beliebtheit  – auch über die Gemeindegrenzen hinaus – erfreut.

Wo stehen wir heute?
von Barbara Gerhold (Pressewartin) im Jahr 2026

Am 17. August 2021 übernahm den Vereinsvorsitz Johannes (Hanno) Matthiesen aus Hamburg. Den keiner kannte, dem aber Hollenstedt ungefähr genau so lange vertraut ist, wie es den Heimat- und Verkehrsverein Estetal dort gibt. Seine Schwiegereltern hatten in den 1970er Jahren ihren Wohnsitz dorthin verlegt, sodass über die Jahre regelmäßige Besuche „auf dem Land“ wie ein Kurzurlaub für die Seele auf den gestressten Allround-Manager wirkten. So ungefähr drückte Hanno Matthiesen in seiner Antrittsrede sein Verhältnis zur Region aus. Natürlich hatte Nachbar und Freund Lutz Hauschild mit seiner Überredungskunst ein wenig nachgeholfen, denn einfach ist es nicht, diese Nachfolge anzutreten.
Mit dem „Blühwiesen-Projekt“, für das Hanno Matthiesen sich sehr engagiert, hat er aber gleich zu Beginn viele Kontakte geknüpft und auch Freunde gewonnen. Lutz Hauschild wird uns und dem Verein natürlich erhalten bleiben. Er wurde zum „Ehrenvorsitzenden“ ernannt und war und bleibt auch im „Unruhestand“ die Seele des Vereins, der Mittelpunkt, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.

Zum Schluss noch ein paar Fakten:

– Die Anzahl der Mitglieder stieg in den letzten Jahren auf ca. 250 Interessierte an.
– Die Plattdeutschen Abende finden weiterhin neunmal im Jahr statt und erfreuen sich gleichbleibender Beliebtheit.
– Zusammen mit dem „Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude e.V.“ wurden 2024 und 2025 fast monatlich Wanderungen entlang des Estewanderwegs und seiner Nebenstrecken durchgeführt.
– Über 200 Bänke hat der „Heimat- und Verkehrsverein Estetal e.V.“ in der Samtgemeinde Hollenstedt über die Jahre gespendet, aufgestellt und betreut.
– Rund 40 Bäume und Sträucher wurden am Estewanderweg vom Verein gepflanzt und beschildert.
– Die Abbildungen und Texte auf den Lehrtafeln wurden als Taschenbuch „BÄUME und STRÄUCHER am ESTEWANDERWEG“ erstmals 2012 herausgegeben – zuletzt 2022 in fünfter Auflage mit vielen Erweiterungen wie Wanderkarten und Hinweisen zum Naturschutzgebiet Estetal.
– In allen unseren Obstbaum-Patenschaftsalleen rund um Hollenstedt wurden seit den 1970er Jahren mehrere Hundert Apfel- und Birnenbäume historischer Sorten gepflanzt. Manche mussten über die Zeit auch mehrfach ersetzt werden.
– Das Heft DER ESTETALER erscheint inzwischen dreimal im Jahr in unregelmäßiger Folge und wird kostenfrei an Mitglieder und Freunde des Vereins verteilt.

Der hiesige Text wurde ausschnittsweise entnommen aus den ESTETALER-Heften:
Nr. 12/März 2020, Nr.16/Nov.2021, Nr.28/Okt.2025, Nr.29/Febr.2026